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Das Wettrudern
© / Mario Konrad

Vor einiger Zeit verabredete eine schweizerische Firma ein jährliches Wettrudern gegen eine japanische Firma, das mit einem Achter auf dem Rhein ausgetragen wurde.

Beide Mannschaften trainierten lange und hart, um ihre höchste Leistungsstufe zu erreichen. Als der grosse Tag kam, waren beide Mannschaften topfit, doch die Japaner gewannen das Rennen mit einem Vorsprung von einem Kilometer.

Nach dieser Niederlage war das schweizer Team sehr betroffen und die Moral war auf dem Tiefpunkt. Das obere Management entschied, dass der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsste. Ein Projektteam wurde eingesetzt, um das Problem eingehend zu untersuchen und um geeignete Abhilfemassnahmen zu empfehlen. Nach langen Abklärungen fand man heraus, dass bei den Japanern sieben Leute ruderten und ein Mann steuerte, während bei den Schweizern ein Mann ruderte und sieben steuerten.

Das obere Management engagierte sofort eine Beratungsfirma, die eine Studie über die Struktur des schweizerischen Teams anfertigen sollte. Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kamen die Berater zum Schluss, dass zu viele Leute steuerten und zu wenige ruderten. Um einer weiteren Niederlage gegen die Japaner vorzubeugen, wurde die Teamstruktur geändert. Es gab jetzt vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute, einen Steuerdirektor und einen Ruderer. Ausserdem wurde für den Ruderer eine striktes Leistungsbewertungssystem eingeführt, um ihn besser zu motivieren. "Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben".

Im nächsten Jahr gewannen die Japaner mit einem Vorsprung von zwei Kilometern.

Das Management entliess den Ruderer wegen schlechter Leistungen, verkaufte die Ruder und stoppte alle Investitionen für ein neues Boot. Der Beraterfirma wurde ein Lob ausgesprochen und das eingesparte Geld wurde dem oberen Management als Bonus ausbezahlt.